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Ratzeburg liegt im hohen Norden im Naturpark “Lauenburgische Seen” in der Nähe von Hamburg. Unsere kleine Truppe verschlug es gestern in diese Gefilde. Was mit dem hundertspännigen Pferdegeschirr normal in dreieinhalb Stunden zu machen wäre, dauerte diesmal fast die doppelte Zeit. Dafür ging die Rückfahrt dann aber recht flott.

Der Markt selbst ist überschaubar und weder von Darstellern noch Besuchern überlaufen. Durch die unmittelbare Nähe zum See konnte ein Wikingerschiff mit Besuchern auf “große Fahrt” gehen, Joe Roesner ließ seine Greifen fliegen und die eine oder andere spontane Performance der Lagernden lockerte das Ambiente etwas auf. Taverna Magica, Feldbeckerey und ein weiterer Stand mit warmem Essen versorgte hungrige Gäste und Lager, während man in letzteren brennende Feuerstellen und eifrig werkelnde Handwerker beobachten konnte. Alles in allem ein ruhiger Markt ganz ohne Hektik, und vielleicht gerade deswegen mal eine angenehm andere Erfahrung für den Besucher. Und auch die Darsteller wirkten eher, als ob es für sie mehr Urlaub als Job gewesen wäre. Statt ferner Länder einfach mal eine “Zeytreyse” machen, warum auch nicht?

Der Ort und auch die Burg Creuzburg (–> Google Maps) liegen ein paar Kilometer nördlich von Eisenach an der B7. “Eines der schönsten Mittelalterfeste in Thüringen (vieleicht sogar in Deutschland) ist das Burgfest Creuzburg” schreibt Heldrastein in seiner Ankündigung. Nun sind solche Einschätzungen zwangsläufig subjektiv und ich muss bedauerlicherweise sagen, dass ich sie nicht teile. Zwar kenne ich keine weiteren Märkte in Thüringen, jedoch deutschlandweit habe ich schöneres gesehen. Das beginnt bereits kurz hinter dem Eingang mit einem zünftigen Bierzelt. Was das in dieser Form auf einem Mittelaltermarkt zu suchen hat, ist mir schleierhaft – und ich bin wahrhaftig kein A-Fanatiker! Hätte man den Platz nicht besser nutzen können? Oder wenigstens diese Sitzplätze in entsprechendem Ambiente errichten können?

Gut, die Burganlage ist nicht gerade weitläufig, so dass man nur ein einziges Lager errichten konnte, wo die Besucher das Lagerleben beobachten konnten. Eine Bühne und natürlich viele Händler, Handwerker und Versorgungsstände durften nicht fehlen. Was definitiv fehlte, war das eigentliche mittelalterliche Flair. Kaum ein Besucher war gewandet, obwohl die Eintrittspreise einen saftigen Rabatt für solche Gäste vorsahen (6 € normal, 2 € gewandet). Es hatte eher den Anschein, als ob die Besucher hier zu einem regionalen Volksfest gekommen wären, als zu einem Mittelaltermarkt.

Problematisch war für Besucher von außerhalb auch, dass der Ort in der Nähe der Burg nicht wirklich viele Parkplätze bereithalten kann. Eine Beschilderung war ebenfalls nicht erkennbar, was aber bei der Überschaubarkeit des Ortes nicht wirklich ein Problem war. Da fährt man einfach auf Sicht zur Burg und stellt sich an den Straßenrand.

Insgesamt für immerhin etwa 1,5 Stunden Anfahrt nicht besonders, so dass wir uns sicher kein zweites mal hier blicken lassen werden.