Aus Sicht der “Neuzeit” vermag das Mittelalter durchaus einen gewissen morbiden Charme ausstrahlen, verbindet man dies doch mit Barbaren, Raub- und Kreuzzügen, endlosen Schlachten, Kaufmannsgilden und anderem Altbekannten, nicht zuletzt der Inquisition. Spricht man heutzutage vom “finsteren Mittelalter”, so geschieht dies stets auch mit einem inneren Schaudern ob dieser dunklen Zeiten.
Aber Gott sei Dank ist ja heute alles viel besser! Heute hat man gelernt, dass es nicht nur darum geht, dem Andersdenkenden die Keule oder das Schwert über den Schädel zu hauen, in der Öffentlichkeit übel über ihn zu reden und ihn (oder sie) bei denen schlecht zu machen, bei denen es am leichtesten ist. Nein, das macht man heute nicht mehr. Heute hat man gelernt, dass man dies natürlich nicht in der Öffentlichkeit tut, weder die Keule noch üble Rede, denn das ist böse. Und weil dann ein jeder Mensch (nicht zu vergessen Gott und Papst) sofort weiß, wer hier böse ist, muss man dies im Verborgenen tun. Ja, heute hat man gelernt, dass es wichtigeres gibt als die Ehre. Manche nennen es Politik.
(Was hier stand wurde auf Anordnung der kanonischen Zensurbehörde gestrichen, sie hat wieder einmal erfolgreich meine spitze Zunge besiegt.)
So lagerten wir nun doch wieder bei den seinerzeit “Raubrittern” genannten, die ihrem Namen freilich Ehre gemacht haben. Der Eintritt für Besucher belief sich in diesem Jahr auf 10 Taler, was einige Unmutsäußerungen zur Folge hatte. Die Veranstaltung selbst war jedoch von bekannter Güte und Größe, so dass man wohl auch als zahlender Besucher auf seine Kosten gekommen sein wird.
Auch das Wetter war überwiegend freundlich gesinnt, von gelegentlichen Ausrastern bei Orgs, Mensch und Natur abgesehen also ein wirklich erfolgreiches verlängertes Wochenende.